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LMS-Talk: Kölsche Musiker kritisieren den WDR

Kai Engel, Ludwig Sebus, Erry Stoklosa waren bei Moderator JP Weber zu Gast. Foto: Bopp

Köln | Volles Haus im Hans-Süper-Saal der Kneipe „Klaaf em Franz Eck“: Der kölsche Abend bei Moderator JP Weber stand unter dem Motto: „Niemals geht man so ganz“. Und es waren hochkarätige Gäste mit dabei: Politikerin Elfi Scho-Antwerpes, Musiker Ludwig Sebus, Erry Stoklosa, ehemaliger Sänger der Bläck Fööss, Brings-Keyboarder Kai Engel sowie Komponist und Produzent Reiner Hönig.

Sie erinnerten besonders an die kölschen kölsche Größen wie Willy Ostermann, Lotti Krekel, Marie Luise Nikuta, Hans Süper und den zuletzt verstorbenen „Bärchen“ Sester und erzählten Anekdoten über die beliebten kölschen Künstler der vergangenen 50 Jahre.

Kölner Musiker üben Kritik am WDR

Jedoch wurde auch Kritik geübt. Denn die einstigen Starts von Früher geraten in der Öffentlichkeit immer mehr in Vergessenheit. Der Grund: Im TV und im Radio wird immer mehr auf kölsches Liedgut und kölsche Kultur verzichtet. „Es gibt mittlerweile viel zu wenige Sendungen im Fernsehen, aber auch im Radio, die über kölsche Musik berichten. Früher wurden wir oftmals sogar bei WDR2 gespielt und es wurden TV-Berichte über uns produziert. Heute muss man mit dem WDR kämpfen“, sagt Stoklosa enttäuscht.

Die Ausrede des Senders gibt der ehemalige Böack-Fööss-Sänger selbst: „Alles, was Kölsch ist, gehört zum Karneval. Und diese Lieder spielen wir während der Session. Das ist alles sehr traurig, denn kölsches Liedgut ist nicht nur Karnevalsmusik.“

Kai Engel: Köln ist eine Musikstadt

In die gleiche Kerbe schlägt auch Kai Engel: „Natürlich muss man abwägen, denn der WDR ist auch in Westfalen und am Niederrhein zu hören. Fakt ist aber, dass die meisten Bands in NRW aus Köln kommen. Köln ist eine Musikstadt. Selbst bei Radio Köln sind Songs aus Köln kaum zu hören. Das ist keine gute Entwicklung“, findet der Keyboarder von Brings.

Dabei sind die Lieder über die Grenzen der Stadt bekannt. „Wir sind alle stolz, wenn sich das Volk ein Lied gekrallt hat. Dann hat man ein Volkslied geschaffen. Und damit etwas für die Menschen“, argumentiert Stoklosa für mehr Brauchtum im Radio.

Die Hoffnungen bei den Musikern waren groß, als Tom Buhrow zum WDR-Intendanten inthronisiert wurde. Jedoch enttäuscht der in Troisdorf geborene Funktionär die kölschen Liedermacher. Stoklosa: „Es hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Ich habe nichts mehr zu verlieren, deshalb kann ich den Finger auch in die Wunde legen.“

Ludwig Sebus erzählte beim Loss mer schwade-Talk viele Geschichten aus seiner langen Zeit als Komponist und Musiker. Foto: Eduard Bopp

Auch Ludwig Sebus sprach Buhrow einmal konkret auf die Probleme an. Der Krätzchensänger verrät Auszüge aus dem Gespräch mit dem WDR-Chef: „Er sagte mir, dass er es genauso sehe, aber die Entscheidung bei den Redakteuren liege. Sie haben viele Freiheiten. Und wenn die Quoten stimmen, brauchen wir auch nicht einschreiten.“

Was die Künstler noch mehr aufregt: Die GEMA, Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, überweist riesige Summen an ausländische Musiker. „In jeder Nacht spielen die Sender fünf Lieder von den Beatles im Radio. Was wir da an Geld ins Ausland schicken, ist der Wahnsinn“, ärgert sich Stoklosa. „Und deutsche Künstler werden leider kaum registriert und gespielt.“

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